Es gibt ein gigantisches, ungenutztes Potenzial für die Entwicklung von Solarenergie auf der bestehenden Infrastruktur
Die Schweiz ist eines der Länder in Europa mit der der höchsten Bevölkerungs- (und damit Bau-) Dichten. Es ist nicht kohärent, die letzten verbliebenen Wildnisgebiete zu urbanisieren, während die überwiegende Mehrheit unserer Dächer frei ist. Wohngebäude, Industriehallen, landwirtschaftliche Gewächshäuser, Strasseninfrastruktur und Parkplätze, Mauern und sogar Stauseen (wie am Lac des Toules, https://www.solaireflottant-lestoules.ch), Lawinenverbauungen: Die Möglichkeiten sind sehr zahlreich. Laut einer Studie des BFE könnten die Dächer und Fassaden der Schweizer Häuser 67 TWh produzieren, das ist 20-mal mehr als heute! Die Solaroffensive muss sich also auf die bestehende Bausubstanz konzentrieren, bevor sie die Naturräume in Angriff nimmt.
Die letzten intakten Landschaften unseres Landes dürfen nicht den Preis für die Energiekrise zahlen
Wir reden viel über die Energiekrise, vergessen aber, dass wir uns auch in einer beispiellosen Krise der Biodiversität und der Landschaften befinden. Die alpinen Solar-Megaprojekte werden, indem sie versuchen, die erste zu lösen, in Wirklichkeit die zweite erheblich verschärfen. Allein das Grengiols-Projekt sieht vor, eine Fläche von 500 Hektar mit Sonnenkollektoren zu bedecken, was der Fläche von 700 Fussballfeldern oder der kumulierten Fläche der Seen Grande Dixence und Moiry entspricht!
Praktisch keine Bergregion bleibt verschont. Mega-Solarprojekte können sogar in regionalen Naturparks, eidgenössischen Jagdbanngebieten oder Gebieten, die im Bundesinventar der Landschaften (BLN) aufgeführt sind, realisiert werden! All dies sind Flächen, die bislang der Natur und der Landwirtschaft vorbehalten waren.
Auch die Wissenschaft hat sich gegen diese Pläne erhoben. Eine breite Allianz von Wissenschaftlern hat einen Aufruf gestartet, um daran zu erinnern, dass "die Erhaltung der Biodiversität zugunsten der Energiewende zu gefährden, kontraproduktiv ist". Auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hat eine umfassende Studie durchgeführt, die zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung keine Energieanlagen in intakten Alpenlandschaften will.
Die Walliser Bevölkerung muss die Möglichkeit haben, sich zu alpinen Solar-Megaprojekten zu äussern
Die Debatte bleibt bislang in einem kleinen Kreis von Eliten: eidgenössische und kantonale Parlamentarier, Gemeindevertreter, Energieversorger, Unternehmer usw. Da Tausende von Hektaren unserer Alpenregionen verschwinden könnten, muss das Volk unbedingt die Möglichkeit haben, über die Art der gewünschten Solarentwicklung abzustimmen. Die betroffenen Flächen sind nämlich auch für unseren Tourismus und unsere Landwirtschaft von grossem Interesse.
Diese Megaprojekte werden von Angst und Geld getrieben
Die Hektik, die wir erleben, entspricht keiner Planung, Koordination oder Interessenabwägung (diese Forderungen wurden aus dem Bundesgesetz über die Energie herausgenommen). Das in der Bevölkerung verbreitete Gefühl der Angst vor einer Stromknappheit hat die Vorstellung entstehen lassen, dass "dringende" Massnahmen unerlässlich sind. Angst ist jedoch ein schlechter Ratgeber. Die Aussicht auf hohe Bundessubventionen überzeugte unsere Politiker schliesslich davon, dass unsere alpinen Wildnisgebiete auf dem Altar der Stromerzeugung geopfert werden könnten.